Einsatz von Blutegeln in der plastischen Chirurgie – kleine Helfer mit Biss

Schon aus dem 18ten Jahrhundert existieren Berichte aus Frankreich über den Einsatz von Blutegeln bei der Verpflanzung von Hautlappen. Über die Hauttransplantation hinaus wird heute die Behandlung vor allem in der plastischen Chirurgie nach der Replantation von Ohren, Fingern und Zehen durchgeführt. Nach der Replantation von Gliedmaßen oder Hautlappen wird zwar die arterielle Versorgung mikrochirurgisch wiederhergestellt, der venöse Abfluss dagegen bereitet Schwierigkeiten. Es dauert gut eine Woche, bis die Kapillaren wieder von alleine nachsprießen. In dieser Zeit kann es infolge von Blutstauungen zu einer ungenügenden Blutversorgung der Kapillargefäße kommen, wodurch eine Gewebsnekrose (Absterben von Gewebszellen) eintreten kann. Durch den Einsatz des medizinischen Blutegels (Hirudo medicinalis) kann die venöse Stauung abgesaugt und das umliegende Gewebe gerettet werden, so dass die Reimplantate nicht abgestoßen werden oder absterben.

Über 30000 Blutegel kommen jährlich in Deutschland zum Einsatz, vor allem in der Naturheilkunde, aber auch in der Unfall,- und plastischen Chirurgie. Der Blutegel ist ein europäischer Ringelwurm, der in natürlicher Umgebung das heimatliche Süßwasser bestenfalls verlässt, um Eier in die Erde zu legen, wird zu medizinischen Zwecken in sogenannten Blutegelfarmen naturnah gezüchtet. In der Regel hungert ein Blutegel bis zu acht Monaten, bevor er an Heilpraktiker und Ärzte verkauft wird. Die in der Medizin bevorzugte Gattung Hirudo medicinalis wird ca. 2-4 cm lang. Als Biss- und Saugwerkzeug dienen dem Egel drei Kiefer, die mit scharfen Zähnen besetzt sind. Der Biss ist wenig schmerzhaft und das rhythmische Blutsaugen kaum spürbar.  Nach 10 bis 40 Minuten und 5-8 ml Blut sind die Egel satt und fallen einfach ab. Die Blutung jedoch sickert noch bis zu 20 Stunden nach, was einen gewichtigen Anteil der Wirkung einer Blutegelbehandlung ausmacht. Wie bei einem sanften Aderlass gehen dabei 30-50 ml Blut verloren. Grund für das lange Nachbluten der Wunde und die Heilwirkung sind die zahlreichen Wirkstoffe im Egelspeichel, den das Tier während des Saugens absondert. Der Wirkstoff Hirudin wirkt blutgerinnungshemmend und antithrombotisch, der Wirkstoff Eglin hemmt Entzündungen, während der Wirkstoff  Histamin lokale Gefäßkrämpfe löst. Der Blutverlust hat eine entstauende, entzündungshemmende und blutverdünnende Wirkung, Stoffwechselschlacken und Körpergifte werden ausgeleitet, der Lymphstrom beschleunigt. Die Behandlung mit Blutegeln gilt als weitgehend frei von Nebenwirkungen. Allergische Reaktionen treten äußerst selten auf. Die Anwendung von Blutegeln eine sehr wirksame und durch keine andere Therapie zu ersetzende Maßnahme in der plastischen Chirurgie.

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