Ist eine Krankheitsübertragung durch medizinische Blutegel bei einer Blutegelbehandlung möglich

Aufgrund der steigenden Anzahl von Blutegelbehandlungen in den letzten Jahren stellt sich die Frage nach einer möglichen Infektionsgefahr (Ansteckungsgefahr) durch Blutegel. Voraussetzung für Krankheitsübertragungen ist der Kontakt mit verseuchtem Blut. Das Risiko der Ansteckungsgefahr bei Blutegeln hängt mit ihrer langsamen Verdauung zusammen. Bis zu anderthalb Jahren nach der letzten Mahlzeit lassen sich noch Spuren von der letzten Blutmahlzeit im Darmtrakt des Blutegels nachweisen. Dort können auch die zahlreichen Krankheitserreger überleben, die der Egel mit dem Blut aufsaugt. Wenn der vollgesaugte Blutegel beim Ablösen von der Ansatzstelle gequetscht wird oder erbricht können auf diese Weise Erreger in die Saugwunde geraten.

Prinzipiell besteht keinerlei Infektionsgefahr, wenn die Apotheken Blutegel aus speziellen Zuchtbetrieben beziehen und bestimmte Grundregeln  im Umgang mit den Tieren beachten. Blutegel ernähren sich von Blut. Das aufgenommene Blut wird im Darmtrakt monatelang gespeichert und verdaut. Falls es sich um Blut handelt, welches mit Erregern verseucht ist, dann ist der Darminhalt der Blutegel infektiös. Es gibt Hinweise darauf, dass die Infektiosität  von Viren, die über das Blut von Egeln aufgenommen werden, mehrere Monate erhalten bleibt. Jedoch gibt es in Deutschland das Verbot der Wiederverwertung. Das heißt, ein Blutegel darf nur einmal medizinisch angewendet werden. Selbst eine Wiederverwendung am selben Patienten ist wegen nicht auszuschließender Verwechslungsgefahr verboten. Zum Verlust der Infektiosität ist eine Quarantänedauer erforderlich. Ein Blutegel muss 32 Wochen fasten, bis er das erste und einzige Mal bei einem Patienten eingesetzt wird. Die für die medizinische Therapie verwendeten Blutegel kommen aus Zuchtbetrieben, wo sie mit Fütterungsblut ernährt werden, das regelmäßig auf seine Virussicherheit überprüft werden muss. Die Patienten können sich aber auch mit Erregern infizieren, die in den Blutegeln selbst vorhanden sind. Dazu gehört das Bakterium – Aeromonas hydrophila. Dieses Bakterium gehört zu den Darmbakterien des Blutegels und produziert Enzyme, die der Egel für seine Verdauung benötigt. Dieses Bakterium findet man auch an den Saugnäpfen und  im Schleim auf der Haut der Egel. Durch die Besiedlung des Blutegels mit diesen Bakterien stellt der Blutegel selbst eine Infektionsquelle für Wundinfektionen dar. Bei den meisten Fällen handelt es sich um lokale Wundinfektionen, die sich rasch mit Antibiotika kontrollieren ließen. Das Blutegel vor dem Ansetzten in abgekochtes Wasser gegeben werden, mindert das Infektionsrisiko.  Das Quetschen der Egel oder gewaltsame Abnehmen der Tiere während des Saugens kann durch qualifiziertes Anwenden vermieden werden. Werden alle Maßnahmen zur Sicherung der Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Blutegeln eingehalten, so kann das Infektionsrisiko fast vollständig beseitigt werden.

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